Zum Inhalt Sitemap
Geschichten aus Slowenien

Zwischen Felsspalten und Stille: Janja Garnbret im Klettergebiet Osp

Im Klettergebiet Osp, wo der Kalkstein die Geschichte des internationalen Klettersports geprägt hat, durchstieg Garnbret eine der legendärsten Routen.  Ihr Aufstieg ist nicht nur eine sportliche Leistung, sondern auch ein stiller Dialog mit dem Fels, mit Erinnerung und mit jenem Gedicht, das diesen Ort seit Jahrzehnten durchdringt.

Eine Geschichte über Stein, Erinnerung und Bedeutung. In Osp,  einem der ikonischsten Klettergebiete Sloweniens, durchstieg Janja Garnbret eine der legendärsten Routen.  Das ist nicht nur ein sportlicher Erfolg – es ist eine Geschichte von zutiefst menschlicher Dimension, eine Geschichte des Kletterns jenseits von Medaillen und Rekorden. Der Kalkstein trägt hier Poesie und Vergangenheit in sich und vermittelt ein leises Bewusstsein, dass manche Orte noch lange Fragen stellen, nachdem die physischen Herausforderungen längst verstummt sind.

Janja Garnbret climbs an overhanging Janja Garnbret klettert an einer überhängenden Felswand, gesichert mit einem Seil, hoch über dem Tal.wall, secured by a rope, high above the valley.

Die Wand, die die Zeit anhält

An der Karstwand oberhalb des Dorfes Osp, wo der helle Kalkstein Jahrzehnte menschlicher Präsenz, Spuren von Magnesium und stille Entscheidungen in sich aufgenommen hat, folgt die Zeit ihrem eigenen Rhythmus. Hier gibt es keine Hast – nur Linien, die in den Fels geschrieben sind, lange Augenblicke der Stille vor der ersten Bewegung und das leise Bewusstsein, dass jeder Griff die Spuren jener trägt, die ihn schon vor dir gehalten haben.

Deshalb bleibt Ospeines der liebsten Klettergebiete von Janja Garnbret: mehr als nur eine Wand, es ist ein lebendiges Archiv der Entwicklung des Sportkletterns.  Seit den frühen neunziger Jahren verschieben die Routen hier die Grenzen des Möglichen – und Garnbrets Beziehung zu diesem Ort offenbart sich als stiller Dialog mit Geschichte, Landschaft und Bedeutung.

 

En Ort, in den man zurückkehrt

Für Janja Garnbret war Osp nie nur eine weitere Destination oder etwas, das man abhakt. Es war ein Ort, in den man zurückkehrt. Ein Ort, der Fragen stellt, selbst dann, wenn es scheint, als seien die Antworten längst  gefunden.

Im Laufe der Jahre hat Janja fast alle der anspruchsvollsten Routen in Osp durchstiegen. Was für Generationen von Kletterern einst als unerreichbares Ziel galt, wurde für sie mit der Zeit zu einem vertrauten und beherrschbaren Raum – einem Raum der Klarheit, Disziplin und stillen Entschlossenheit. Und dennoch fügte sie im Jahr 2025 ein weiteres Kapitel hinzu, das über die Medaillen und Rekorde hinausweist: das Durchsteigen der Route „Za staro kolo in majhnega psa (Für das alte Fahrrad und den kleinen Hund)“.

Ein in den Kalkstein eingeschriebenes Gedicht:  Für das alte Fahrrad und den kleinen Hund

Die Route ist nach einem Gedicht von Barbara Suša benannt, der Ehefrau des slowenischen Geographen und Sportkletterers Tadej Slabe, dem die Erstbegehung dieser Route gelang.  Dabei geht es nicht um die Verherrlichung eines Siegs, sondern um eine intime Reflexion über Sehnsucht, Erwartung und das fragile Gleichgewicht zwischen Wunsch und Erfüllung. Das Gedicht erzählt vom Warten und vom Zählen der Tage, von einem Weg in der Einsamkeit, von einem alten Fahrrad und einem kleinen Hund – von stillen, alltäglichen Bildern, die aber eine überraschende emotionale Kraft tragen. 

Die Silhouette von Janja Garnbret vor einer hohen Felswand, mit vor der Brust verschränkten Armen, von hinten im Schwarz Weiß Kontrast beleuchtet.

Für das alte Rad und den kleinen Hund
(Za staro kolo in majhnega psa)

Noch vier Tage!
Und dann kommst du!
Ich liebe dich so sehr,
dass ich dir mein
altes Fahrrad schenken würde und meinen kleinen Hund.
Und ich würde mich freuen, wenn du
damit zu mir kämst,
in die Pedale treten
und lachen würdest,
während der Hund neben dir herläuft.
Ich selbst ginge zu Fuß,
die Straße hinunter,
von der Gaststätte nach Hause
und würde mir immer wieder sagen:
Noch vier Tage!
Und dann kommst du!
Und wenn du kommst, meine Liebe,
werde ich Angst haben,
dass du nicht wieder bleiben möchtest,
für immer,
wie eine geliebte Frau,
dass ich nicht mehr warten könnte,
keine Tage mehr zählte,
und mich nie mehr an das Fahrrad erinnerte,
und auch nicht an den Hund,
der treu an deiner Seite läuft.

(Barbara Suša)


Das Originalgedicht ist auf Slowenisch; die Übersetzung dient lediglich dazu, den Kontext und den Zusammenhang mit Janjas Geschichte besser verständlich zu machen.

Warten, Erfüllung und die Frage, was danach kommt

Als Janja unter der Route „Für das alte Fahrrad und den kleinen Hund“ stand, stellte sie sich nicht nur einer technischen Herausforderung. Sie stand vor Worten, die Jahrzehnte zuvor niedergeschrieben worden waren, vor einer stillen menschlichen Geschichte, die sich in den Stein eingeschrieben hat, und vor der Erkenntnis, dass Klettern niemals nur Bewegung nach oben ist.

Es ist auch Zeit. Es ist Sehnsucht. Es ist das Bewusstsein, dass jede Errungenschaft bereits ihr eigenes Ende in sich trägt.

Das Gedicht beginnt mit einem einfachen, emotional aufgeladenen Vers:

„Noch vier Tage! Und dann kommst du!“

Im diesen Worten liegt jene Spannung, die jeder Kletterer vor einer lang ersehnten Route kennt – Tage der Vorbereitung, der Anstrengung und des Rückzugs, eines inneren Dialogs zwischen Zweifel und Vertrauen.

Janja Garnbret steht auf einem Waldweg mit einem großen Rucksack und blickt hinauf zur Felswand zwischen den Bäumen.Janja Garnbret hängt an einem Seil neben einer senkrechten Felswand und trägt Kletterausrüstung.

 

Auch Janjas Klettern ist vom Warten geprägt: vom Warten auf die richtigen Bedingungen, auf den richtigen Augenblick, auf jenes fragile Gleichgewicht, in dem Absicht und Bewegung eins werden.

Doch das Gedicht trägt noch etwas anderes in sich – nicht die Angst vor dem Scheitern, sondern die Angst vor der Erfüllung.  Die Angst davor, dass mit dem erreichten Ziel etwas endet, dass mit der Vollendung auch der Raum der Erwartung verloren geht: 

Und wenn du kommst, meine Liebe /.../

Und genau darin verbirgt sich eine der stillen Wahrheiten des Kletterns: dass eine Leistung nicht nur Zufriedenheit bringt, sondern auch jene Leere hinterlässt, die jedes abgeschlossene Kapitel begleitet.

Janja Garnbret klettert an einer überhängenden Felswand, mit einem Seil gesichert, die Füße auf kleinen Felsgriffen gegen den offenen Himmel gestützt.

 

Als Janja Garnbret die so lange bewunderte Route schließlich durchstieg, war auch ihr dieses Bewusstsein gegenwärtig. Das war ohne Zweifel Zufriedenheit – zugleich aber auch das Verständnis, dass manche Listen irgendwann zu Ende geschrieben sind. Dass bestimmte Orte mit der Zeit aufhören zu fragen, ob du es schaffst, und beginnen, andere Fragen zu stellen: Was bedeutet dir dieser Ort noch? Was bleibt, wenn die Ziele erreicht sind?

Janja Garnbret jenseits des Wettkampfkletterns

Diese Fragen verleihen ihrem Aufstieg die Tiefe, die über den Sport hinausreicht. Janja ist nicht nur eine Sportlerin, die Sieg an Sieg reiht, sondern auch jemand, der es versteht, einem Ort zuzuhören – seinem Kontext, seiner Atmosphäre, seiner Geschichte. Als mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin sowie Gesamtgewinnerin des Weltcups hat sie den Gipfel des Wettkampfkletterns erreicht. Doch gerade in Osp offenbart sich eine andere Dimension ihres Kletterns: eine leisere, ruhige Form, die nicht im Beweisen wurzelt, sondern im Zuhören.

Als Botschafterin des slowenischen Tourismus trägt ihre Präsenz an Orten wie Osp auch eine symbolische Bedeutung. Ihre Aufstiege hier zeugen nicht nur von sportlicher Exzellenz, sondern erzählen zugleich eine Geschichte über Slowenien selbst. Osp übersteigt damit das Bild einer dramatischen Kalksteinwand und wird zum Symbol eines Ortes, an dem Natur, Erinnerung und Kreativität mit außergewöhnlicher Intensität aufeinandertreffen. Durch Janja Garnbret offenbart sich Slowenien nicht nur als Reiseziel der Superlative, sondern als Landschaft der Tiefe, der Intimität und der Bedeutung.

Was folgt dem Aufstieg

Eines Tages wird jemand einen Kletterführer aufschlagen und bei dem Titel Für das alte Fahrrad und den kleinen Hund innehalten. Er wird an die Seltenheit dieser Route denken, an die Geschichte, vielleicht auch an Janja. Doch vielleicht wird er auch etwas anderes empfinden: den leisen Nachhall der Sehnsucht, das Bewusstsein der Vergänglichkeit, die sanfte Dankbarkeit, dass eine einzige Felslinie so viel Menschliches in sich tragen kann.

Darin liegt die Schönheit des Kletterns. Nicht darin, dass Janja all das gemeistert hat, was einst unmöglich schien, sondern darin, dass sie jeder Route erlaubt hat, zu sprechen – sie daran zu erinnern, wann es Zeit ist, die Tage zählen, und wann es genügt, ganz einfach den Weg zu gehen, mit Gedanken an das alte Fahrrad, den kleinen Hund und dem Bewusstsein, dass manche Geschichten länger dauern als jeder einzelne Aufstieg.

Janja Garnbret: der Name, der die Geschichte des Kletterns schreibt

Der Name Janja Garnbret wird immer einen besonderen Platz in der Geschichte des Sportkletterns einnehmen. Mit ihrer außergewöhnlichen Stärke an der Wand verschiebt sie ständig die Grenzen des Möglichen und begeistert die Kletterwelt mit jedem Auftritt. Sie war die erste Sportkletterin, die in einer einzigen Saison alle Weltcup-Wettkämpfe im Bouldern gewann. Ebenso war sie die erste Kletterin, die bei einer Weltmeisterschaft alle drei Weltmeistertitel errang – im Lead, im Bouldern und in der Kombination. Und sie war die erste Kletterin, die olympisches Gold gewann, als Sportklettern erstmals ins olympische Programm aufgenommen wurde. Das ist Janja. Lernen Sie ihren Weg zum Gipfel kennen. Ihre Energie. Janja.

Karussell überspringen

Faszinieren Sie natürliche Klettergebiete?

Slowenien verfügt über mehr als 100 natürliche Klettergebiete. Die meisten davon sind gut gepflegt und gut ausgestattet, dennoch benötigen Sie Ihre eigene Kletterausrüstung. Ein Großteil befindet sich in den Julischen Alpen, doch Kletterspots finden sich im gesamten Land.

Karussell überspringen

Kranjska Gora

Kranjska Gora

Im oberen Sava-Tal gibt es einige natürliche Klettergebiete. Oberhalb des Dorfes Dovje befinden sich die beliebten Klettergebiete Blažčeva und Urbasova skala. Eine besondere Herausforderung ist das Klettergebiet oberhalb von Vršič. Klettervergnügen finden...

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Bohinj

Bohinj

In Bohinj finden Sie bis zu 16 Klettergebiete und fast 500 gut geregelte Bergpfade aller Schwierigkeitsgrade. Zu den bekanntesten gehört das Klettergebiet Pod skalco. Dort steht Ihnen ständig ein Team der Kletterschule, das Ihnen bei den ersten »Kletterschritten«...

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Soča-Tal

Soča-Tal

Besuchen Sie eines der vielen Klettergebiete im malerischen Soča-Tal. In Trient (Trentino) ziehen Kletterer zwei Klettergebiete in der Nähe von Plajer an. Besuchen Sie oberhalb von Baška grapa das Klettergebiet Senica. Vielleicht geraten Sie in Versuchung...

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Karstrand (Kraški rob)

Karstrand (Kraški rob)

Ein wahres Kletterparadies liegt oberhalb des Meeres. Am Karstrand (Kraški rob), der sich im Hinterland von Koper erhebt, gibt es mehr als die Hälfte der slowenischen Kletterrouten aller Schwierigkeitsgrade. Zu den beliebtesten Kletterwänden unter den...

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Vipava-Tal

Vipava-Tal

Klettern in einer Naturwand zu jeder Jahreszeit? Biegen Sie in das Vipava-Tal, wo Sie neben Klettererlebnissen auf beliebten Kletterrouten mit Ausblicken auf das Meer und die Alpengipfel belohnt werden.

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Kotečnik

Kotečnik

Im Bergland von Posavje befindet sich Kotečnik, ein weiteres größeres Klettergebiet mit über 300 Kletterrouten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade.

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Region Koroška

Region Koroška

Finden Sie Kletterherausforderungen in der Region Koroška. Die Wände von Raduha und Petzen laden zahlreiche Sportkletterer und Alpinisten zu adrenalinreichen Abenteuern ein. Im Landschaftspark Topla erhebt sich der Felsen Burjakove peči, der zu den besten...

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Logarska-Tal

Logarska-Tal

Besuchen Sie am Eingang zum Logar-Tal und in die Welt der Steiner Alpen das natürliche Klettergebiet Žohar. Kletterrouten mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden ziehen auch Krofička und Mrzla gora an.

Mehr (in einem neuen Fenster öffnen)

Ich möchte den Newsletter erhalten.

Seien Sie über Ferien in Slowenien, Saisonangebote, aktuelle Veranstaltungen, Ausflugsmöglichkeiten und Reisen auf dem Laufenden. Holen Sie sich ein Stückchen des grünen Sloweniens in Ihr E-Mail-Postfach!

Mit Freunden teilen

Virtuelle Reisende  <br>ALMA
Welches Eckchen Sloweniens möchten Sie entdecken? Alma antworten